Møre og Romsdal Norwegen

Wandern im Kårvatn – Wasser satt am Nauståfossen

Dichter Nebel wandelt zwischen den Bäumen entlang. Seine Tropfen heften sich an die Tannennadeln. Von überall kommt das Wasser – aus den Wolken, von den Bäumen, über die Ufer der Flüsse, aus dem Matsch unter unseren Füßen. Selbst unser Wanderweg verwandelt sich immer mehr zu einem reißenden Fluss bis es einfach kein Weiterkommen mehr gibt.

Unser Weg führt uns zunächst mit dem Auto durch das Todalen in Richtung Kårvatn. Die Straße verwandelt sich nach und nach in eine Schotterpiste. Am Ende finden wir einen kleinen Parkplatz und ein paar wenige Holzhütten mit einem Ausrüstungsshop. Von hier starten zahlreiche Wanderungen, aber unser erstes Ziel ist der nur einen kurzen Fußmarsch entfernte Nauståfossen.

Das Wetter ist heute regnerisch, weswegen wir einfach loslaufen und schauen, wie weit wir kommen und was wir so erleben. Über eine Brücke geht es den Fluss entlang. Der Boden ist durchzogen von Wasser-Matsch-Pfützen, der von unzähligen Tierspuren übersät ist. Es beginnt das große Rätselraten. „Rehe! Eindeutig Rehe!“ Ein Stück weiter – „Kühe! Eindeutig Kühe!“ Bis es dann doch rätselhafter wird. „Verdammt groß! Gibt es hier Elche?!“ (Wir haben nachgesehen – 2011 wurden in der Region um die 100 Elche registriert. Könnte also gestimmt haben.) Interessant wird es dann bei der Vermutung eines Dachses. Entscheidet selbst.

Es wird immer schwieriger, seinen eigenen Gedanken zu folgen. Das Getöse der herabfallenden Wassermassen wird Stück für Stück lauter bis die Bäume den Blick schließlich freigeben. Über zwei Etagen wirft der Nauståfossen auf einer Länge von 110 Metern eine riesige Menge Wasser nach unten ins Tal. Trotz des Wetters verliert er nichts von seiner imposanten Erscheinung. Seine Nebelschwaden hüllen uns in seinen Bann und wir können uns gar nicht sattsehen. Rechter Hand liegt eine Holzbrücke über den Fluss. Sie ist sichtbar und spürbar von der ständigen Gischt gekennzeichnet, ihr Boden ist überwachsen von rutschigem Moos und das Holz ist mit Wasser vollgesogen und beginnt, morsch zu werden. Eigentlich soll der Weg irgendwo weitergehen, aber so recht lässt sich nicht erkennen, wo.

Wir entdecken links vom Wasserfall schließlich doch einen kleinen, steilen Pfad. Etwas skeptisch folgen wir ihm nacheinander mit vorsichtigen Schritten. Der Waldboden ist überzogen von abgefallenen Tannennadeln und durchtränkt mit Wasser – ihr könnt euch also vorstellen, wie rutschig die Angelegenheit war. Und so kommt es, dass zwei Familienmitglieder schon nach kurzer Zeit versuchen, sich neue Wege zu suchen. Aber egal von welcher Seite, steil bleibt steil. Wir Restlichen gehen noch ein Stück weiter nach oben. Die Aussicht ist Wahnsinn. Der Blick folgt dem Wasserfall ins Tal, wo hier und da noch immer weißer Nebel zwischen den Bäumen liegt.

Doch wir merken, dass wir hier nicht weiterkommen. Es geht also zurück und wir folgen dem nächsten Schild Richtung Trollheimshytta. Dieses Mal startet der Weg nach den ersten Metern etwas steiler durch den Wald den Berg hinauf. Entfernt können wir immer noch das Rauschen des Wasserfalls hören. Aber, wie sollte es auch anders sein, hat auch hier der Boden unter dem beständigen Landregen gelitten. Und so kämpfen wir uns weiter durch den Matsch immer weiter aufwärts. Besonders weit kommen wir allerdings nicht, denn schon bald beginnt sich unser Weg in einen Fluss zu verwandeln. Immer wieder suchen wir Stellen zum Ausweichen, doch schon bald gibt es einfach kein Weiterkommen mehr. Vier, fünf Wasserarme schießen den Berg hinab und ein Weg ist überhaupt nicht mehr auszumachen. Resigniert drehen wir um.

Auf dem Weg zurück eröffnet sich uns immer wieder ein herrlicher Blick hinab ins Tal. Tatsächlich können wir sogar eine kleine, blaue Stelle am Himmel ausmachen, doch der Nebel behält die Oberhand und verzaubert die Landschaft in einen mystischen Ort. Keinem Menschen sind wir hier begegnet, lediglich zwei Rehe verabschieden uns, als wir zurück beim Parkplatz ankommen. Auch wenn das Wasser uns heute zum Rückzug gezwungen hat, ist es gerade das, was es irgendwie auch zu einem besonderen Erlebnis gemacht hat.

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1 Kommentar

  • Antworten
    Vanessa Brune
    6. Juni 2018 um 11:05

    Wow, die Aussicht ist unglaublich!! Wunderschöne Fotos noch dazu! Ich kanns gar nicht abwarten bis wir endlich ein Auto haben und selbst mehr vom Land sehen können…

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