Møre og Romsdal Norwegen

Runde – Unterwegs auf der Vogelinsel

Vorsichtig tapst er leichtfüßig aus seiner Höhle und schaut sich neugierig um, bis sein Blick erstarrt. Vor ihm breitet sich das unendliche Nordmeer aus. Tausende seiner Artgenossen sind bereits auf dem Wasser oder in der Luft unterwegs. Ein letztes Mal dreht er sich um und blickt zurück in die kleine Höhle zwischen den Steinen. Als wolle er sagen – Mach dir keine Sorgen, ich bin bald wieder daheim! Letztendlich breitet er seine Flügel aus und macht sich auf den Weg, um wieder Einer von Tausenden zu sein.

Abenteuerlich geht es mit dem Auto über zahlreiche Brücken. Wir passieren einige vorgelagerte Inseln bis wir schließlich Runde erreichen, die Letzte der Inselgruppe. Danach folgt nur noch der weite Ozean. Wir parken am Wohnwagenstellplatz kurz vor dem Ende der Straße.

Als wir 2013 die Vogelinsel erreichen, ist sie längst kein Geheimtipp mehr. Im Winter müssen sich die rund 100 Einwohner recht einsam fühlen, wenn erst gegen Februar die ersten Brutvögel zurückkehren und mit ihnen die Touristen. Man hat viele Möglichkeiten, die Insel zu erkunden. So werden unter anderem auch Bootstouren angeboten, aber wir entscheiden uns, die Insel per Fuß zu entdecken. Unter den zahlreichen markierten Wanderwegen gibt es für uns nur ein Ziel und zwar, die Papageitaucher einmal hautnah zu erleben. Also geht es Richtung Lundeura.

Zunächst laufen wir steil einen gepflasterten Weg nach oben. Man könnte meinen, dass neben den zahlreichen Vögeln auch Unmengen an Schafen auf der Insel unterwegs sind. Neben den großen Steinplatten ist der Weg zusätzlich gepflastert – mit massenweise Schafskötteln. Ein Wunder, wenn man mal auf keine tritt.

Nachdem der Weg langsam in Matsch und Moor übergeht, werden wir plötzlich angegriffen. Als Erstes sehen wir nur den riesigen Schatten, der über unsere Köpfe hinweg fliegt, bis wir sie erkennen. Eine Raubmöwe setzt immer wieder zum Scheinangriff an und ein wenig mulmig ist uns dabei schon zumute. „Was willst du denn?“, schreie ich gedanklich, doch der Grund wird mir schnell klar. Das Weibchen des Skua sitzt direkt am Wegesrand und nistet. Wir laufen also schnell weiter, um sie nicht noch mehr zu stören. Bei den Touristen, die hier so täglich vorbeikommen, hat sie sicherlich gut zu tun.

Kleine und große Matschfelder säumen den Weg, die wir teilweise mithilfe von Holzbrettern überqueren. Teilweise aber auch nicht, was unweigerlich dazu führt, auch mal ein Stück mit wunderschönen Schlammabsätzen zu laufen. Ein Stück weiter des Weges gibt die Insel ihren schönsten Blick preis. Das blaue, weite Nordmeer erstreckt sich bis zum Horizont. Kleine Wolkenlücken lassen das Sonnenlicht auf das Wasser fallen und malen ein wunderschönes Gemälde. Selbst die Schafe scheinen das Naturspektakel zu bewundern, während sich der eisige Wind durch ihre dichte Wolle kämpft.

Weiter entlang der Steilküste, immer den frischen Wind um die Nase wehend, können wir unser Ziel schon sehen. Der Brutfelsen der Lunde liegt steil emporragend mittig der Insel. Eine kleine Leiter bringt uns nach unten zur „Aussichtsplattform“.

Das Meer ist gespickt von tausenden, kleinen Punkten. Es muss ein wahres Spektakel sein, wenn gegen 20 Uhr alle heimkehren. Dreizehenmöwen, Eissturmvögel und Basstölpel sind nur einige, die auf der gerade mal 6km² kleinen Insel brüten. Zwischen all den kleinen Papageitaucher taucht plötzlich ein größerer Vogel auf – ein Seeadler.

Wir dürfen ihn durch das Fernglas eines Ornithologen bestaunen. Er sitzt hier schon seit den frühen Morgenstunden und studiert das Verhalten der Vögel. Eine ganze Weile verharren wir stillschweigend, beobachtend mit ihm auf dem Felsvorsprung. Verfolgen die Lunde, wenn sie sich aus ihrer Höhle fliegend davon machen, bis man sie unter all den anderen verliert. Mit ihrem traurigen Blick und dennoch neugierigen Augen hat man die kleinen Vögel schnell ins Herz geschlossen.

Am Liebsten würden wir noch länger hier verweilen, aber eine lange Autofahrt steht uns noch bevor. Also geht es voll mit wunderbaren Eindrücken von Rundes Natur- und Tierwelt wieder zurück. Das nächste Mal, das steht fest, warten wir, bis sich die tausenden Papageitaucher von ihrem Tagesausflug vom Meer aufmachen, um zurück in ihr wohliges Nest zu fliegen.

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2 Kommentare

  • Antworten
    Monique
    6. August 2017 um 16:26

    Hi Steffi,
    diese Insel muss ja wirklich toll sein. Papageientaucher würde ich auch sehr gerne mal in Realität sehen.
    Die finde ich nämlich total süß;)
    LG Monique

    • Antworten
      thenorthtraveller
      6. August 2017 um 19:02

      Hej Monique,
      die kleinen Lunde sind auch super niedlich! Man konnte sich gar nicht „satt“sehen.
      Und die Insel bietet wirklich schöne Wanderungen und Erlebnisse 🙂
      LG

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