Norwegen Tromsø Whale watching

Den Orcas ganz nah – Walsafari bei Skjervøy

Ich weiß nicht mehr, wie früh es ist. Wir sind schon seit einiger Zeit auf den Beinen und eigentlich ist es nur die Vorfreude, die meine verschlafenen Augen offen hält. Nicht nur ein Unterkunftswechsel steht an, sondern auch eine Tour raus auf das Meer, zu einem der schönsten Tiere, die die Welt erschaffen hat. Den letzten Tag hat es nur geschneit und wir wollen uns rechtzeitig auf den Weg machen, denn eine etwa 75 km lange Fahrt liegt vor uns. Und die können in Norwegen schon etwas länger dauern.

Während sich die kleinen Nieten der Autoreifen in die gefrorene Straße bohren, ziehen orangefarbene Lichter an uns vorbei. Ganz allmählich färbt sich die Umgebung von tiefem Schwarz in fröstelndes Blau. Als mitten in einer Kurve plötzlich etwas über die von Schnee bedeckte Leitplanke springt. Ich haue den Fuß auf die Bremse. Wie angewurzelt bleibt es direkt vor uns stehen und durchbohrt uns mit seinem eiskalten Blick. In meinem Kopf rattern alle Tierarten durch, die diesem ähneln. „Ein Luchs!“, flüstere ich leise, als könnte er mich hören. Doch bevor wir die Kamera rausgekramt haben, springt er leichtfüßig den felsigen Berg nach oben und verschwindet im weißen Dickicht. Eigentlich rechnet man mit allem Möglichen, was hinter einer Kurve plötzlich auf der Straße stehen könnte, aber ein Luchs. Nein. Daran hätte ich wohl nie gedacht.

Unser heutiger Kapitän erwartet uns am Hafen von Skjervøy

Es dauert nicht mehr lange und wir erreichen die Kommune Skjervøy. Alleine die Fahrt entlang der Inseln ist schon lohnenswert. Über Tunnel und Brücken erreichen wir auch schon bald unseren Startpunkt – den Hafen der gleichnamigen Stadt Skjervøy. Am Kai erwartet uns schon Torleif, unser Kapitän. Tatsächlich sind wir heute die Einzigen, die mit ihm rausfahren. Zwei weitere Gäste haben es aufgrund des starken Schneefalls der letzten Tage nicht rechtzeitig von Tromso aus geschafft. Also bekommen wir heute eine Privattour. Nachdem wir uns in die sogenannten Floatinganzüge gekämpft haben, geht es in Torleifs kleinem Boot raus aus dem Hafen. Wir bekommen noch eine kurze Sicherheitseinweisung, während uns die ersten Wellen erfassen.

Zunächst durchqueren wir den Kvænangenfjorden bis zur anderen Seite der Bucht. Es ist Mitte Januar und die noch nicht ganz aufgehende Sonne malt rosarote Wolken an den Himmel. Die weißschäumenden Wellen wiegen uns hin und her, während uns eine frische, kalte Brise um die Nase weht. Torleif hält ständig Kontakt zu den anderen Ausflugsbooten, aber keine Spur von Walen. Gestern, sagt er zu uns, haben sie auch keine gefunden. Aber wir sollen optimistisch bleiben. Und genau das bleibe ich auch. Meine Hände schlingen sich fest um die Haltegriffe an der kleinen Kabine, während mein Blick über das aufgekräuselte Wasser späht. Die aufgewühlte See macht es nicht einfacher, den Blas der Wale auch in weiter Entfernung zu entdecken. Es vergeht Minute um Minute und mittlwerweile sind wir gute 1,5 Stunden unterwegs. Plötzlich ändert Torleif die Richtung und braust, quer zu den Wellen, einem Zodiac hinterher.

Bald erwarten uns die ersten Schwertwale

Wir befinden uns nun schon fast auf offener See. Während die Wellen unaufhörlich vom Atlantik hereinrollen, schaukeln wir gemeinsam mit zwei weiteren Booten um die Wette. Alle Augen sind gespannt auf das Wasser gerichtet. Mein Blick verharrt auf einer herannahenden Welle und da schießt plötzlich diese riesige Finne eines mächtigen Orca-Bullen heraus. Aufgeregt drehe ich mich zu Elke um und zeige auf die Stelle. Für einen kurzen Moment herrscht gespannte Stille. „Dort drüben!“ Die nächsten Schwerter durchbrechen die Wasseroberfläche. Torleif zeigt auf sein Sonar. Überall Hering. Jetzt kommen sie rein. Und tatsächlich tauchen plötzlich überall Orcas auf. Wir können unser Glück kaum fassen. Während unser Kapitän genau beobachtet, welche Richtung die Familenbanden nehmen, steuert er uns in dessen Zugbahn und stellt den Motor ab. Wir sitzen ganz nah an der Reling. Die Wasserlinie ist uns so nah, dass immer wieder salzige Gischt unser Gesicht streift. Wir können genau beobachten, wie uns diese wunderschönen Tiere immer näher kommen und schließlich unter dem kleinen Boot durchtauchen.

Einmal schwimmt eine Gruppe von etwa 20 Tieren ganz nah an uns vorbei. Das Geräusch ihres Blas durchbricht Wind und Wellen. Ich nehme die Kamera nach unten. Sie sind so nah, dass ich jedes Detail genau erkennen kann. Ihre glänzende, schwarze Haut und jede Narbe darauf. Ihre charakteristische weiße Unterseite. Selbst ihre einzigartige Schwanzflosse, die ab und zu spielerisch auf das Wasser schlägt. Der Blick in ihre Augen durchflutet mich mit Wärme. Das ist mit Abstand das Schönste, was ich je erleben durfte. Und so schwer in Worte zu fassen. Ich fühle mich befreit und glücklich. Und merke, wie der Wind eine Träne über meine Wange streicht.

Wir können unser Glück kaum fassen

Über eine Stunde erleben wir dieses unglaubliche Abenteuer, während sich das Licht des Tages so langsam mehr und mehr zurückzieht. Und während die Orcas ein letztes Mal unter unserem Boot hindurchtauchen, müssen wir den Weg zurück antreten. Glücksdurchflutet fahren wir den entspannteren Weg durch den Lauksundet zurück in den Hafen von Skjervoy. Das Grinsen reicht vom einen zum anderen Ohr. Eigentlich könnte ich das jeden Tag machen. Denn was gibt es Schöneres, als diese eleganten Tiere zu begleiten. Und sicherlich könnten sie uns Menschen auch noch so einiges beibringen.

Unterwegs waren mit Dervola Adventure. Ein kleiner, aber feiner Anbieter. (keine bezahlte Werbung, sondern nur ein Hinweis zu einem seriösen und familiären Anbieter für Whale watching Touren)

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