Hundeschlittentour Norwegen Tromsø

Hundeschlittentour auf Kvaløya – Im Rausch durch die Winterlandschaft

Es ist 9 Uhr morgens als wir direkt an der Bushaltestelle der Ersfjord Schule auf unsere Abholung warten. Während die Kinder schon fleißig lernen, legt sich die blaue Stunde langsam über die winterliche Landschaft. Einige Laternen säumen die einzige Straße in dem kleinen Dorf am Ende des Fjords. Auf diesen Tag haben wir schon lange gewartet, die Vorfreude ist dementsprechend riesig. Das erste Auto, was wir an diesem Morgen sehen, ist auch direkt der Minibus, der uns zum Ausgangspunkt bringen soll.

Die turbulente Fahrt geht immer weiter das Fjell hinauf, während sich der Schnee am Straßenrand höher und höher türmt. Kurze Zeit später erreichen wir das Basiscamp, wo wir noch dickere Kleidung, Schuhe und Handschuhe erhalten. Bei meiner Schuhgröße – für eine Frau sehr groß – hatte ich mit den Winterschuhen das Gefühl, meine Füße würden etwa zwei Kilo schwerer sein. Pro Fuß. Dafür hielten sie über die gesamte Zeit wohlig warm.

Normalerweise startet die Tour direkt vom Basiscamp. Da der Winter bis dato allerdings für norwegische Verhältnisse noch nicht kalt und schneereich genug war, beginnt unsere Fahrt weiter oberhalb auf dem Fjell. Es geht also zurück zum Bus, der uns wieder ein Stück weiter nach oben fährt. Dort angekommen, hören wir dann zum ersten Mal das Gejaule und Gebelle der Hunde. Die Schlitten samt Huskies stehen schon einsatzbereit da. Jetzt fehlen nur noch wir.

Einweisung in drei Minuten

Zunächst erfolgt die Einweisung. Diese lautet wie folgt: „Das ist der Schlitten. Immer gut festhalten. Hier kann man bremsen. Und wenn es bergauf geht, den Hunden helfen und mit anschieben. Dann gibt es noch den Notfallanker, den der „Passagier“ rauswirft, wenn der Fahrer abgefallen ist.“ Joah, das war so ziemlich alles kompakt in etwa drei Minuten erklärt und dann sollte es auch schon losgehen. Wir bekommen den Schlitten direkt hinter unserem Guide. Ich fahre zuerst und während ich in meinem Kopf, neben dem lauten Bellen der Hunde, die kurzen Anweisungen nochmal durchgehe, werden wir schon losgebunden. Auf geht die wilde Fahrt!

Die Tour startet entspannt

Ganz gemählich geht es erstmal eine kleine, ebene Runde entlang einer bereits vorhandenen Spurrinne. Zur Eingewöhnung. Bis auf Bremsen und die Landschaft genießen muss man nicht wirklich viel tun. Die Hunde folgen dem vorausfahrenden Schlitten ganz automatisch. Nach etwa 15 Minuten ist Fahrerwechsel. Damit jeder schon mal das Gefühl für den Schlitten bekommen kann. Im Schlitten selbst hat man schon eher das Gefühl, dass man recht fix unterwegs ist. Und als wir die Spurrinne dann verlassen und Elke hinter mir anfängt zu schnaufen, weiß ich, es geht bergauf. Und wenn es bergauf geht, geht es auch irgendwann wieder runter.

Immer wieder kommen einige Passagen, die relativ eben sind und zum Glück kann man jederzeit wechseln. Schon bald müssen wir das auch. Und tatsächlich ist es wirklich anstrengend. Gerade beim Verlassen der bereits fertigen Spurrinnen muss man kräftig helfen, um vorwärts zu kommen. Während ich mit meinem linken Bein auf einer der Schienen stehe, versuche ich mit rechts anzuschieben. Das gestaltet sich dann so, dass mein kompletter Fuß im Tiefschnee versinkt, während ich verzweifelt versuche, mich festzuhalten und den Fuß samt Schuhgewicht wieder herauszuziehen. Und dazu kommen dann von vorne noch die Blicke der Hunde, so nach dem Motto ‚Jetzt streng dich mal an!‘. Das sieht wahrscheinlich sehr witzig aus, ist aber richtig anstrengend. Umso mehr Spaß macht es dann, bergab zu fahren.

Mit den Huskys durch die verschneite Landschaft

In einem Affenzahn brettern wir durch die weiße und unfassbar schöne Landschaft. Über Äste, Steine und wassergefüllte Löcher – der Leidtragende ist derjenige, der gerade im Schlitten sitzt. Denn nicht viel fehlt zwischen Boden und dem Allerwertesten. Ein bisschen Schadenfreude ist schon dabei. Aber noch Schöner ist dieses Gefühl, hinten auf dem Schlitten zu stehen, während einem der kühle Fahrtwind um die Nase weht. Und dabei vor lauter Glück ein Freudentränchen zu verlieren. Und schon bald geht es wieder nach oben.

So langsam kommen wir aber richtig gut in Schwung. Der Guide hält öfters mal an, um zu schauen, ob die anderen Schlitten hinterherkommen. Manchmal sind selbst wir überrascht, das plötzlich niemand mehr hinter uns zu sehen ist. Wahrscheinlich ist auch er überrascht, dass wir so gut mithalten. Deswegen sollten wir direkt hinter ihm fahren. Die einzigen zwei Mädels brauchen bestimmt mehr Hilfe. Stattdessen bekommen andere noch einen zusätzlichen Hund von seinem Schlitten angebunden. Und wir ziehen den Vorteil daraus, uns seine Taktiken abzuschauen. Wie man das Gewicht am Besten verlagert. Wie man den Schlitten zumindest ein bisschen gelenkt bekommt. An welchen Stellen man wie stark helfen muss. Aber auch wir müssen der Geschwindigkeit Tribut zollen.

Wie man es nicht machen sollte

In einer schwungvollen Kurve driftet der Schlitten in den Tiefschnee. Ich springe vom Schlitten ab, lande in dem doch tiefer als gedachten Schnee und bekomme meine Füße nicht mehr rechtzeitig rausgezogen, während ich mich noch verzweifelt versuche festzuhalten. Ein kleines Stück schleife ich noch hinterher, bis ich loslassen muss. Und dann rufe: „Anker werfen!“ Elke schaut noch verträumt in der Gegend rum, bis sie merkt, dass der Schlitten führerlos ist. Ich brauche eine Pause, also wechseln wir. Und während Elke sich immer noch schlapp lacht, wie ich bis zur Hälfte im Schnee steckte, kommt die nächste schwungvolle Kurve.

In Zeitlupe merke ich, wie der Schlitten zu kippen beginnt. Ich ziehe alle Viere zu mir und umklammere den Fotorucksack zwischen meinen Beinen. Ich höre noch, wie Elke einfach abspringt und so etwas ruft wie „Festhalten!“, während ich samt Schlitten auf die Seite kippe. Dank des tiefen Schnees ist die Landung recht weich und wir kommen schnell zum Stillstand. Als ich mich in Sicherheit wiege, kugel ich langsam aus dem schneegefüllten Schlitten. Alle schauen gespannt zu mir und zur Erheiterung aller rufe ich kurz: „Alles okay, ich lebe noch.“ Worauf der Guide trocken meint: „Jetzt hast du eine richtige Schlittentour gemacht. Man muss einfach auch mal umfallen.“

So viel an einem Stück haben wir schon lange nicht mehr gelacht. Das Lachen ist in meinem Gesicht quasi festgefroren. Während die Hunde noch immer alles geben, ziehen die weiß eingehüllten Berge an uns vorbei. Im Rausch der Geschwindigkeit. Und auch wenn wir unter der dicken Winterkleidung langsam richtig schwitzen, wollen wir eigentlich gar nicht aufhören. Aber die Helligkeit des Tages nähert sich schon dem Ende. Also geht es zurück zum Ausgangspunkt. Alle helfen, ihre Hunde aus den Geschirren zu befreien und ins Auto zu laden. Zurück am Basiscamp bringen wir die Huskies zurück zu ihren Hütten, wo erstmal unzählige Streicheleinheiten verteilt werden. Jeder Hund möchte auch ein bisschen Liebe abhaben, so viele Hände gibt es gar nicht. Aber wir bemühen uns, jeden wenigstens einmal kurz zu kraulen, bevor wir uns in die kleine Hütte um ein Feuer setzen.

Zurück am Basiscamp

Während draußen die Hunde gefüttert werden, gibt es für uns ein Heißgetränk und die selbst mitgebrachten Stullen. Unser Guide erzählt noch ein wenig über die Farm. Insgesamt gibt es 90 Alaskan Huskys hier. Für eine Huskyfarm, die Touren anbietet, ist das noch relativ wenig. Und genau das war es auch, was bei der Auswahl des Anbieters wichtig für uns ist. Kleine Gruppen bedeuten meist eine familiäre Umgebung und weniger Profitgier. Man steht nicht daneben, sondern ist mittendrin. Und während wir gemütlich um das warme Feuer sitzen und den Tag Revue passieren lassen, beginnen alle Hunde im Gleichklang zu jaulen. Als würden sie sich bedanken. Für den ausgelassenen Tag, für ein weiteres Abenteuer in dieser unendlich verschneiten Landschaft.

Unsere Tour haben wir mit Active Tromsø gemacht (Werbung wegen Verlinkung, unbezahlt).

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