Norwegen Oslo

Ein Adventswochenende in Oslo – Anreise und Museumstag

Als ich aus dem kleinen Fenster unserer Boeing schaue, ist es bereits dunkel. An Bord herrscht eine unheimliche Stille. Wir stehen auf der Rollbahn, während draußen ein Wintersturm tobt. Drei Stunden haben wir im Berliner Terminal bereits gewartet, bevor wir mit Bussen zum Flugzeug gebracht wurden. So recht weiß ich nicht, ob ich froh bin, dass wir doch noch starten. Als wir anfangen zu rollen, atme ich nochmal tief durch. Von Panik will ich nicht sprechen, aber beunruhigt bin ich allemal. Und froh, Muttis Hand neben mir zu haben. Mein Körper drückt sich in den Sitz, als wir abheben. Durch das kleine Fenster schauend, sehe ich große, matschige Schneeflocken am Fenster vorbeifliegen. Die Lichter am Flugzeug blinken stetig vor sich hin und ich erkenne, wie der Flügel im Wind auf und ab schwingt. Lieber doch nach vorne schauen! Eine gefühlte Ewigkeit später haben wir endlich unsere Flughöhe erreicht und das Flugzeug wird ruhiger. Muttis Hand habe ich mittlerweile zerdrückt. Aber ja, wir leben noch! Und endlich. Oslo kann kommen!

Dezember 2013 – Seit drei Tagen sitze ich nun angespannt vor dem Wetterbericht. Alle Prognosen haben sich bewahrheitet und Sturm Xaver trifft am Tag unseres Fluges nach Oslo den Norden Deutschlands. Fliegen ist für mich ohnehin schon aufregend, aber dann noch ein Sturm. Oh je!

Wie verabredet, treffen Mutti und ich uns am Berliner Hauptbahnhof. Noch ist der Orkan nicht angekommen und wir hoffen, alles bleibt beim Guten. In einigen Stunden sind wir in Oslo! Hoffentlich! Am Flughafen herrscht jedoch bereits Chaos. Eine Menge Flüge wurden schon gestrichen, unserer steht allerdings noch dran. Das Gate ist offen und wir passieren die Sicherheitskontrollen, bis schließlich das ungewisse Warten beginnt. Während sich das Terminal leert, wird der Wind draußen immer heftiger.

Ein Norweger, der neben mir sitzt, zeigt auf sein Handy. „Deswegen können wir nicht losfliegen. Der Orkan zieht über Oslo.“ Starke Windflaggen sind über dem ganzen Ostseeraum verteilt, besonders über dem südlichen Skandinavien. „Vielleicht fliegen wir doch erst morgen.“, sagt er mit zerknirschtem Gesicht. Dicke Flocken fliegen vor der Glasfront entlang und gerade, als ich mich damit abgefunden hatte, doch nicht zu fliegen, beginnt plötzlich doch das Boarding. Oh nein! Bei dem Wind sollen wir echt fliegen?! Auch Mutti schaut etwas zweifelnd, aber gut. Wir fliegen nach Oslo.

Orkan Xaver macht uns das Leben schwer

Von den Bussen rennen alle zum Flugzeug, denn die Schneeflocken sind riesig – und matschig. Auf 60 Metern bin ich bereits von oben bis unten weiß eingeschneit. Und dann starten wir tatsächlich. Doch bei der reinen Flugzeit von 1,5h soll es auch nicht bleiben. Das Anschnallzeichen leuchtet nach einer Stunde auf, aber anstatt zu landen, beginnen wir eine Runde nach der anderen zu drehen. Nach der zweiten Runde schaltet sich dann auch der Monitor, auf dem wir unsere Route beobachten können, aus. Wieviele Runden es am Ende waren, kann ich nicht mehr sagen, aber nach der doppelten Flugzeit durchbrechen wir dann doch noch die Wolkendecke. Die Felder sind weiß gepudert, während inmitten dieser die orangenen Lichter der Weihnachtsbeleuchtungen aufblitzern. Von hier oben sieht es richtig idyllisch aus. Doch schnell werde ich aus meiner Träumerei gerissen.

Das Flugzeug beginnt wieder heftig zu vibrieren. Wir fliegen schräg zur Landebahn, noch immer stürmt es draußen. Von außen sah die Landung bestimmt spektakulär aus. Als wir endlich stehen, geht ein Raunen durch die Menge. Es war das erste Mal, dass ich erlebe, wie alle zunächst sitzen bleiben und dann anfangen zu applaudieren. Danke, Kapitän, dass du uns in einem Stück nach Oslo gebracht hast.

Mittlerweile haben wir zig Stunden Verspätung, aber das ist uns egal. Wie wir später erfahren, war unser Flieger der Letzte, der von Berlin gestartet ist. Glück gehabt. Mit dem Zug geht es vom Flughafen Gardermoen in die Innenstadt, von wo aus es zu Fuß zum Radisson Blu geht. Eigentlich wollten wir schon an diesem Tag den Weihnachtsmarkt an der Hauptstraße besuchen, aber alles hat bereits geschlossen. Und so bleibt es nur bei einem Sandwich aus 7 Eleven und einer erholsamen Nacht – nach einem mehr als aufregenden Tag.

Der Museumstag

Am nächsten Morgen können wir das erste Mal den Vorzug unseres Hotelzimmers sehen. Man hat einen superschönen Blick über die Stadt. Leider ist es bewölkt, aber kein Schnee oder Regen in Sicht. Vom gestrigen Sturm ist nichts mehr zu spüren. Nach einem reichhaltigen Frühstück geht es mit dem Bus auf die Halbinsel Bygdøy.

Hier besuchen wir zuerst das Kon-Tiki-Museum. Thor Heyerdahl finde ich in vielerlei Hinsicht wahnsinnig faszinierend. Mit seinen abenteurlichen Forschungsreisen und wertvollen Entdeckungen hat er die Geschichte neu geschrieben. Deswegen habe ich mich schon sehr auf den Besuch gefreut. Das absolute Highlight, neben vielen Informtionen und ausgestellten Objekten seiner Expeditionsreisen, ist das originale Kon-Tiki Floß, mit dem er über den Pazifik schipperte und damit bewies, dass die Besiedlung Polynesiens mit den damaligen Möglichkeiten vor der Zeit der Inkas möglich war.

Direkt gegenüber befindet sich das Frammuseum. Die Fram war ein Polarforschungsschiff, dessen Nachbildung man direkt vor Ort betreten kann. Neben der Fauna der Polarregionen lernen wir auch viel über die drei großen Polarfoscher Roald Ammundsen, Fridtjof Nansen und Otto Sverdrup. Und im Entdeckungsbereich können wir mit Lasergewehren „jagen“ und einmal einen Schlitten ziehen, wie es damals die Polarfoscher durch den dicken Schnee taten.

Als wir das Museum verlassen, ist die Wolkendecke aufgebrochen. Zwar ist der Wind noch immer eisig, aber die warmen Sonnenstrahlen laden uns zum Verweilen ein. Die Halbinsel bietet noch einiges mehr an Museen, aber unser Weg führt uns ins Munch-Museum. Mit Bus und Bahn geht es zurück in die Innenstadt, während die Sonne so langsam hinter dem Horizont verschwindet. Im Dezember geht sie hier bereits gegen 15 Uhr unter, dafür kann man die schön beleuchteten Straßen in der Vorweihnachtszeit besser genießen.

Das Munch-Museum

Ich mag die Kunst von Edvard Munch und war schon sehr gespannt, das berühmte Bild „Der Schrei“ einmal im Original zu sehen. Im Museum selbst herrschen strenge Sicherheitskontrollen. Alles muss in ein Schließfach gesperrt werden und wir passieren sogar ein X-Ray samt Metalldetektor. Die Sammlung des Museums ist gigantisch und keines kann wohl soviele Werke, Grafiken und Zeichnungen von Edvard Munch zeigen, wie dieses in Oslo. Und als ich dann vor seinem wohl bekanntesten Werk stehe, kann ich auch verstehen, warum dieses so häufig und einfach gestohlen wurde. So recht wusste ich gar nicht, dass „Der Schrei“ doch ein ziemlich kleines Gemälde ist. Es misst gerade mal 83 x 66 cm und hat trotzdem diese Wirkung. Für alle Kunstbegeisterten ist das Munch-Museum auf jeden Fall einen Besuch wert.

Weihnachtsmarkt an der Spikersuppa

Mittlerweile ist es früher Abend und wir holen noch unseren ersten Besuch auf dem kleinen Weihnachtsmarkt an der Spikersuppa nach. Umgeben von Verkaufs- und Essensständen, ziert eine Eislauffläche den Mittelpunkt des Platzes. Überall hängt gemütlich strahlende Weihnachtsbeleuchtung und es riecht nach Gebäck. Wir fühlen uns sofort in Weihnachtsstimmung versetzt, selbst wenn dieser Markt nicht besonders groß ist.

Am Abend geht es ins direkt gegenüberliegende Hard Rock Café, was mittlerweile eine Art Tradition während den Mutter-Tochter-Weihnachtsurlauben geworden ist. Dank der Oslo Card konnten wir den ganzen Tag Bus und Bahn umsonst nutzen und sind kostenlos in die Museen gekommen. Auch morgen noch wird sie uns sehr hilfreich sein. Denn dann werden Oslos Weihnachtsmärkte unsicher gemacht!

Hier geht es zum zweiten Teil: Ein Adventswochenende in Oslo – Weihnachtsmärkte und Abreise

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